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Wiener Orthodoxer Bischof: Kirchentrennung endlich überwinden

Serbisch-orthodoxer Bischof Cilerdzic sieht im Religionspodcast "Wer glaubt, wird selig" wenig Trennendes zwischen orthodoxer und katholischer Kirche - Der Bischof im Gespräch über die Ökumene und die Glaubwürdigkeit der Kirchen, sein deutsch-serbisches Elternhaus und die latente Kirchenfreundlichkeit der serbischen Gesellschaft

Der Wiener serbisch-orthodoxe Bischof Andrej (Cilerdzic) sieht kaum Unterschiede zwischen der Orthodoxen und Katholischen Kirche, die wirklich kirchentrennend sein müssen. Das betont er in der neuen Folge des Religionspodcasts "Wer glaubt, wird selig". Das einzige wirklich trennende Merkmal sei der "päpstliche Dienst", wie ihn die Katholische Kirche derzeit verstehe und ausübe. Das sei für die Orthodoxie nicht nachvollziehbar. Doch auch hier sei er optimistisch, so der Bischof, denn alle Päpste seit Papst Paul VI. hätten vorgeschlagen, gemeinsam mit den Ostkirchen den päpstlichen Primat zu reflektieren und gemeinsame Lösungen zu finden.

Es brauche dringend mehr Ökumene, mahnte der Bischof ein. Er begründete seine Ungeduld u.a. mit den zahlreichen Mischehen, für die die Kirchentrennung eine besondere Belastung sei. Cilerdzic würdigte weiters die Arbeit des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich und betonte: "Es muss unser Ziel sein, die Jahrhunderte alte Spaltung zu überwinden und wenn möglich durch eine versöhnte Verschiedenheit wieder zur kirchlichen Einheit zurückfinden." Das sei existenziell "für das Leben der Kirchen in Österreich und für die Glaubwürdigkeit der Kirchen in der modernen österreichischen Gesellschaft".

Die Serbisch-orthodoxe Kirche in Österreich zählt bis zu 350.000 Gläubige. Die 25 Pfarrgemeinden verteilen sich über das ganze Land. Dem Bischof - er ist seit 2014 im Amt - stehen rund 30 Priester für die Seelsorge zur Verfügung. Er hat seinen Amtssitz in Wien, ist zugleich aber auch für die Schweiz, Italien und Malta zuständig.

In der Schweiz zählt die Kirche rund 180.000 Gläubige in 15 Pfarren, in Italien sind es rund 70.000 Gläubige und sechs Pfarrgemeinden. Weder die Schweiz noch Italien seien groß genug, um eigene Bischofssitze zu etablieren, erläuterte Cilerdzic. Noch weniger gelte dies für Malta, wo zwei Gemeinden bestehen. Die beiden Kirchen wurden den Serben vom katholischen Erzbischof Charles Scicluna zur Verfügung gestellt, zeigte sich Cilerdzic sehr erfreut über die ökumenische Solidarität.

Ökumenische Gastfreundschaft

Selbiges gelte freilich auch für Österreich, wo die Serbisch-orthodoxe Kirche zum Teil auch die Gastfreundschaft anderer Kirchen genießt. Schon in den 1990er-Jahren hätten die Serben etwa die Kirche am Linzer Hafen von der Diözese Linz bekommen, zuletzt in Wien die Kirche am Schöpfwerk von der Erzdiözese Wien. Aber auch vonseiten der anderen christlichen Kirchen gebe es große Gastfreundschaft, sagte Cilerdzic: "Da liegt es auf der Hand, dass zwischen uns eine geschwisterliche Atmosphäre herrscht. Das drückt sich aus dadurch, dass wir einander besuchen bei den Gottesdiensten, dass unsere Pfarrer bzw. der Bischof gerne einmal auch zu den katholischen und evangelischen Gottesdiensten gehen und dort ein Grußwort sprechen. Und umgekehrt besuchen auch die katholischen und evangelischen Geistlichen gerne einmal eine orthodoxe Liturgie und sprechen ein Grußwort."

In dem sehr persönlichen Gespräch erzählte der 1961 in Osnabrück in Deutschland geborene Bischof ausführlich über seine Familie und seinen eigenen Werdegang. Sein serbischer Vater musste vor den Kommunisten aus seiner Heimat fliehen, seine deutsche Mutter und Oma versteckten in der Zeit des Nationalsozialismus Juden. Die Mutter trat vor der Eheschließung zur orthodoxen Kirche über, Cilerdzic wuchs in Düsseldorf auf - in zwei Welten. Schon in jungen Jahren schlug er die geistliche Laufbahn ein, die ihn u.a. nach Thessaloniki, ins Kosovo-Kloster Decani und nach Belgrad führte, wo er im Patriarchat als Sekretär wirkte.

Krieg ist eine Katastrophe

Cilerdzic erläuterte im Podcast, wie man in der Serbisch-orthodoxen Kirche Bischof oder auch Patriarch wird, wobei bei Letzterem am Ende das Los entscheidet. Er berichtete, wie seine Kirche, die sich ja nur über Spenden finanziert, trotzdem gut durch die Pandemie kam, und warum zwar bei Weitem nicht alle Serben regelmäßig den Gottesdienst besuchen, es laut dem Bischof aber so gut wie keine überzeugten Atheisten gibt. Und: "Ich habe noch nie einen Serben kennengelernt, der militant gegen die Serbisch-orthodoxe Kirche aufgetreten wäre." Er habe auch noch nie einen Antrag bekommen, "dass jemand aus unserer Kirche austreten will."

Cilerdzic ist bis heute der einzige serbisch-orthodoxe Bischof, der sich dezidiert gegen den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ausgesprochen und diesen verurteilt hat. "Ich bin von klein auf so erzogen worden, dass Krieg das Abscheulichste ist, was unter Menschen geschehen kann." Schon im Jugoslawienkrieg in den 1990er-Jahren habe er sich für den Frieden engagiert, berichtet der Bischof. Es sei eine Katastrophe, dass es bis heute nicht möglich sei, das Blutvergießen in der Ukraine zu stoppen.

Der von der ökumenischen Radioagentur Studio Omega produzierte Religionspodcast "Wer glaubt, wird selig" ist auf der Website der katholischen Kirche in Österreich (www.katholisch.at), auf www.studio-omega.at, auf https://studio-omega-der-podcast.simplecast.com sowie auf iTunes, allen Smartphone-Apps für Podcasts und auf Spotify abrufbar.

kathpress

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