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Gedanken zum 2. Advent

„Übt euch also in Geduld, liebe Brüder und Schwestern, bis zum Kommen des Herrn! So wie der Bauer: Er wartet auf die kostbare Frucht der Erde und harrt geduldig auf sie, bis er sie empfängt als Frühernte und als Späternte“.

Jakobus 5, 7-8

„Im Advent, im Advent ist es manchmal turbulent“… als wäre die Sorge des Alltags in der kalten und dunklen Jahreszeit nicht genug, wir packen darauf noch einen Stapel aus diesem vorweihnachtlichen Stress. Die Vorbereitungen sind wichtig und brauchen oft viel Kraft, viele Ideen, viel Mühe, viel Aufmerksamkeit – aber warum lassen wir uns schon vor Weihnachten „fertig machen“?

Wenn es schon Stress sein muss im Advent, dann lassen wir es als „Eustress“ erleben, als positiven Stress,


der uns von innen heraus motiviert und kräftigt. Denn wenigstens für uns gläubige Menschen gibt es einen wunderbaren Grund zur Freude. Das Fest, worauf wir uns in diesen Wochen innerlich vorbereiten, ist auch schon ohne uns „perfekt“. Wir feiern die Menschwerdung Gottes, der gegenwärtig ist, erlebbar, spürbar. Wir feiern, dass Gott uns Menschen trifft, in Jesus Christus. Ja, auch mitten in der Menschenmenge, mitten im Stress, mitten in den vielen Aufgaben und Ärger und auch mitten in unserer Not, mitten in der Dunkelheit dieser Welt kommt er uns entgegen.

Die Adventzeit mit ihrem äußeren Glanz möchte uns helfen, den inneren Glanz wieder zu finden und unseren Blick w


ieder nach vorne zu richten auf Gott und auf sein Versprechen, dass er uns beisteht auch in den dunkelsten Zeiten unseres Lebens.

Gott ist gegenwärtig, sein Licht leuchtet in unserer Dunkelheit – dafür stehen die Kerzen auf unserem Adventkranz.



In unserer Reformierten Stadtkirche steht ein besonderer Adventkranz: auf einem alten Wagenrad stehen 4 große weiße Kerzen für die Sonntage und 24 kleine rote Kerzen für die Wochentage bis Weihnachten. Dieser Adventkranz erinnert uns an eine besondere Adventgeschichte vor 200 Jahren in Hamburg: der evangelische Pfarrer Johann Hinrich Wichern half den Kindern und Jugendlichen in seinem Waisenhaus (Rauhes Haus) mithilfe seines Adventkranzes und des täglichen Rituals das Warten auf Weihnachten mit mehr Sinn und Gedul


d zu erfüllen. Mit viel Wertschätzung, Würde und Geduld betreute er in seinem „Rettungsdorf“ die damals als „sittlich verwahrlost“ bezeichneten Kinder und Jugendliche. Wichern erzählte nicht nur mit Worten über Advent, sondern lebte es tagtäglich den Kindern und Jugendlichen vor: er schaute nicht darauf. woher sie kamen, was sie vorher getan oder ni


cht getan haben – für ihn war die Zukunft dieser Kinder wichtig. Nicht das, was sie sind, sondern das, zu wem sie werden können durch Wertschätzung, Motivation und geduldiger, einfühlsamer Fürsorge.

Advent heißt: Gott kommt uns entgegen – wertschätzend, einfühlsam und geduldig. So dürfen und können wir auch


sein: zu uns selbst und zu unseren Mitmenschen.

Amen

Pfarrerin Reka Juhasz (evang. HB)

Dezember 2022


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