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Predigt zum Gottesdienst in der Gebetswoche zur Einheit der Christenheit

Aktualisiert: 30. Jan.





25.1.2024

Pfr.i.R. Barbara Heyse-Schaefer

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben und deinen Nächsten wie dich selbst“ (Lk 10,27)


Liebe ökumenische Gemeinde! Liebe Schwestern und Brüder!

Liebe - Gottesliebe, Nächstenliebe und Selbstliebe - das ist das Beste, das uns das Christentum zu bieten hat. Es ist wie die „DNA“ unseres Glaubens.

Das ist sicher der Grund, warum Christen aus Burkina Faso dieses Motto für die diesjährige Gebetswoche zur Einheit der Christenheit ausgesucht haben. Sie sind sich der tiefen Folgen der Spaltung der Christenheit in ihrem Land und darüber hinaus in der Welt bewusst. Sie wollen einen neuen Weg des Aufeinander-Zugehens und des Miteinanders einschlagen. Sie meinen es ernst mit diesem Weg, zu dem sie sich auch selbst verpflichtet haben.

Ja, die Liebe ist das Beste, was unsere Religion zu bieten hat und doch ist sie so schwer zu greifen und umzusetzen. In diesen Zeiten noch schwerer als sonst.

In dem ausgewählten Text aus dem Lukasevangelium (10,27) werden zwei prominente jüdische Texte miteinander verbunden, nämlich einmal eine Stelle aus dem Deuteronomium/5. Mose 6,5 „Darum sollst du den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft“; und als zweiten Text einen Vers aus Levitikus/3. Mose 19,18b „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“.

Beide Stellen sind den Gesprächspartnern Jesu bekannt. Genial ist die Verknüpfung von Gottesliebe, Nächstenliebe und Selbstliebe.

Ich fange mit dem ersten Teil, der Gottesliebe, an. Der Vers ist ein Teil aus dem jüdischen Glaubensbekenntnis, dem sogenannten Schema Israel: „4Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einer. 5Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft“

Das Schma ist das erste Gebet, das jüdischen Kindern beigebracht wird, wenn sie anfangen, sprechen zu lernen. Und es ist das letzte Gebet, das ein Jude auf seinem Sterbebett spricht,

Auch für Jesus und alle, die ihm nachfolgen, ist es von höchster Bedeutung. Es ist das Bekenntnis zu dem einen Gott, dem man nicht verehrt, wie andere Götter. Er hat keiner Statue im Tempel, die man anbetet, und Opfergaben haben nicht den höchsten Stellenwert.

Es ist ein Gott, zu dem man eine lebendige Beziehung braucht, eine ganzheitliche Hinwendung mit Herz und Seele und aller einem zur Verfügung stehenden Kraft.

Zentral ist das auf ihn „Hören“. Nicht umsonst beginnt Glaubensbekenntnis mit den Worten „Schema Israel - Höre Israel“. Zuhören, ausgerichtet sein bedeutet, dass all unser Sein, unsere Kraft, unser Herz und unser Verstand in Liebe auf Gott gerichtet sein sollen.

Ein Ausdruck dieses „Ausgerichtet-Seins“ ist das „Gott Loben“ - mit ganzem Herzen.

Die zweite Form dieses „Hörens“ ist eine Haltung der Zugewandtheit zu Gottes Schöpfung, zu seiner Welt.

Gott ist kein antiker Gott, der sich durch Opfer gnädig stimmen lässt, sondern ein „Gott in Beziehung“. Diese Beziehung braucht ein Gegenüber.

Glaubt nicht, Gott brauchte uns nicht. Er braucht dich und mich und eine starke, den Menschen zugewandte Kirche, die an einem Strang zieht.

Und damit bin ich schon beim zweiten Gebot, der Nächstenliebe.

Gefragt, wer den unser Nächster sei, erzählt Jesus das berühmte Gleichnis vom barmherzigen Samariter.

Der Nächste ist nicht nur der Mitbürger, die Nachbarin, der Freund oder die Verwandte, sondern jeder und jede, die in Not geraten ist und Hilfe bedarf. Aber auch jeder und jede, der oder die mir hilft. Das ist bis heute eine provokative, herausfordernde Interpretation, die wir immer wieder neu in die Gegenwart übersetzen müssen.

Gottesliebe und Nächstenliebe wird zu einem Doppelgebot verknüpft. Doch genau genommen ist es ein Dreifachgebot: Die Liebe zu Gott, die Liebe zum Nächsten und die Liebe zu sich selbst.

Christliche Nächstenliebe hat ihr Maß und ihre Grenze an der Selbstliebe. Denn kein Mensch kann wirklich andere achten und lieben, wenn er sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse ignoriert.

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ Für mich bedeutet das: ich muss lernen, mich selbst anzunehmen, zu mir selbst „ja“ zu sagen. Mich selbst mögen, mich selbst liebenswert finden, achtsam mit mir umgehen, barmherzig zu mir und meinen Fehlern und Schwächen sein.

Denn Gott liebt mich zuerst und trägt mich in Liebe. Ohne seine Liebe kann ich nicht lieben.

Welche eine universelle Kraft diese Liebe ist, zeigt folgender berührender Brief, der Albert Einstein zugeschrieben wird. Er wurde bekannt als Brief an seine Tochter Lieserl. Hier ein Auszug:

„Als ich die Relativitätstheorie vorschlug, verstanden mich nur sehr wenige Menschen und was ich Dir jetzt schreibe, wird ebenso auf Missverständnisse und Vorurteilen in der Welt stoßen…

Es gibt eine extrem starke Kraft, für die die Wissenschaft bisher noch keine Formel gefunden hat. Es ist eine Kraft, die alle anderen beinhaltet, sie regelt und die sogar hinter jedem Phänomen steckt, das im Universum tätig ist und noch nicht von uns identifiziert wurde. Diese universelle Kraft ist LIEBE…

Liebe ist Licht, da sie denjenigen erleuchtet, der sie aussendet und empfängt. Liebe ist Schwerkraft, weil sie einige Leute dazu bringt, sich zu anderen hingezogen zu fühlen. Liebe ist Macht, weil sie das Beste, das wir haben, vermehrt und nicht zulässt, dass die Menschheit durch ihren blinden Egoismus ausgelöscht wird. Liebe zeigt und offenbart. Durch die Liebe lebt und stirbt man. Liebe ist Gott und Gott ist die Liebe.

Diese Kraft erklärt alles und gibt dem Leben einen Sinn. Dies ist die Variable, die wir zu lange ignoriert haben, vielleicht, weil wir vor der Liebe Angst haben. Sie ist schließlich die einzige Macht im Universum, die der Mensch nicht nach seinem Willen steuern kann…

Wenn wir wollen, dass unsere Art überleben soll, wenn wir einen Sinn im Leben finden wollen, wenn wir die Welt und alle fühlenden Wesen, das sie bewohnen, retten wollen, ist die Liebe die einzige und die letzte Antwort…

Wenn wir lernen, liebe Lieserl, diese universelle Energie, zu geben und zu empfangen, werden wir herausfinden, dass die Liebe alles überwindet, alles transzendiert und alles kann, denn die Liebe ist die Quintessenz des Lebens…

Dein Vater, Albert Einstein


Wie weit soll unsere Liebe nun reichen?

Bis zum Himmel und wieder zurück auf die Erde. Sie lässt uns Gott finden in unseren Herzen. Denn wir sind Gottes Verstecke.

Amen

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